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Oster-Predigt unseres leitenden Pfarrers Markus Hoitz

In den Gottesdiensten an diesem Wochenende fand unser Pfarrer Markus Hoitz besondere Worte - nicht nur bzgl. Ostern und wie die Auserstehung Jesu unseren Gleuben verändert hat, sondern auch in Bezug auf die Veränderungen, die die Kirche geprägt haben und auch in Zukkunft das Leben in unseren Gemeienden prägen werden. „Transformation“ wird nötig!
Datum:
6. Apr. 2026

Meine Schwestern und Brüder im Herrn,

immer, wenn sich in einem Unternehmen etwas ändern muss, dann steht der Betrieb vor einem Transformationsprozess. Und solche Transformationsprozesse sind schmerzhaft.

Da hat die Geschäftsführung des Unternehmens angekündigt, dass sich etwas ändern muss und wird. Nicht sofort, aber in absehbarer Zukunft. Die Folge: der Betriebsrat geht unter die Decke. Die Gewerkschaften rufen die Belegschaft zur Demonstration auf und die Belegschaft tritt in den Streik, weil sie Angst um ihre Arbeitsplätze haben.

Die Abläufe bei solchen Transformationsprozessen sind eigentlich immer gleich. An erster Stelle steht das „Nichtwahrhabenwollen“ der Notwendigkeit von Veränderungen. „Nö, wieso eigentlich? Läuft doch alles wie immer!“ Wenn dann der Punkt in der Unternehmensentwicklung kommt, dass es eben nicht mehr so läuft wie immer und Veränderungen notwendig werden kommt die Stufe 2: die Ablehnung der notwendigen Veränderungen: „Nö, dat hatten wir noch nie. Kommt gar nicht in Frage!“ Ob das in einem Unternehmen die Arbeitsplätze sichert oder erst recht gefährdet steht dann auf einem ganz anderen Blatt. Und vielleicht geht so manchem Betriebsrat erst nach der Veränderung auf, dass damit mehr Arbeitsplätze gesichert wurden als ohne diese Veränderung

So – oder so ähnlich – war das auch mit Jesus, seiner Botschaft, und dem Verhalten seiner Jünger. Erinnern wir uns an die biblischen Texte der Karwoche.

Da ist dieser Jesus, der mit seiner Botschaft vom Reich Gottes die bestehenden Verhältnisse umstrukturieren will. Und seine Jünger, die ihm zunächst begeistert hinterherlaufen. Allerdings kündigt Jesus auch an, dass das für ihn persönlich und für alle, die ihm nachfolgen auch unangenehme Konsequenzen haben wird. Und dann kommt das „Nichtwahrhabenwollen“. Der Petrus lamentiert laut: „Nein, niemals Herr, werde ich dich im Stich lassen.“ Dem folgt sogleich der nächste Schritt: die „Ablehnung“. Petrus verleugnet Jesus dreimal und der Judas Iskariot verrät ihn und liefert ihn aus. 

Die Folge: ganz einfach – das Unternehmen „Reich Gottes“ stirbt am Kreuz. So wie Unternehmen eben sterben, weil sich die Belegschaft nicht auf notwendige Veränderungen einlassen. 

Und dann – meine Schwestern und Brüder – dann kommt das Unerwartbare, nämlich Ostern. Und die ersten, die merken, dass sich trotz allem etwas geändert hat sind die, die in den Männerdynastien von Unternehmen oder Kirchen überhaupt keine Rolle spielen: die Frauen. Die sind hin und her gerissen zwischen Furcht und Freude. Die Botschaft der Engel hat sie berührt und bewegt: „Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden“.

Bei Jesu Rede vom Reich Gottes hatten sich viele vorgestellt, dass sich alles mit dem Messias ändern würde – nur sie selbst nicht -„Nichtwahrhabenwollen“ oder Palmsonntag. Und dann haben Petrus und Judas Iskariot massiv mit ihrer mehr oder weniger massiven „Ablehnung der notwendigen Änderungen“ interveniert und Jesus ausgeliefert. Intrige und Verrat spielen in der Kirche und in unseren Gemeinden bis heute eine Rolle nicht nur „oben“, sondern auch „unten“ - Karfreitag. Daran kamen den Frauen am leeren Grab Jesu Zweifel auf: „Vielleicht doch!“ Und als sie mit den anderen Jüngern zusammen kamen wurde aus dem „Vielleicht doch – aber ganz anders!“: die Botschaft vom Reich Gottes lebt und ist unkaputtbar – und es folgt ein „Stimmt eigentlich schon …“ und ein „wir versuchen es einfach einmal“. Daraus wurde dann Kirche: „Ja, es klappt und es geht!“. 

Meine Schwestern und Brüder,

in diesem österlichen Transformationsprozess stehen wir heute mit unseren 16 Kirchengemeinden in der pastoralen Einheit. Ich weiß nicht, wie das werden wird, doch ich gehe da mit dieser österlichen Hoffnung heran: „Vielleicht doch – aber ganz anders!“ -  „Stimmt eigentlich schon …“ - „wir versuchen es einfach einmal“. Und es klappt, wenn ich mir anschaue, wie Gemeindemitglieder am Sonntag Wortgottesdienste feiern, weil kein Priester da sein kann. 

So könnten wir auch Morgen Kirche für die Menschen von heute sein: „Ja, es klappt und es geht!“ – und die Botschaft von Ostern lebendig halten.

Ich wünsche Ihnen und uns allen einen gesegneten Transformationsprozess und frohe Ostern. Amen.

 Pfarrer Markus Hoitz