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„Der liebe Gott war mein Nachbar“

Das bewegte Jahrhundertleben der Franziska Otto (aus Oberpleis & Thomasberg)
Datum:
1. Mai 2026

… das sagt Helena Franziska Otto, geb. Reck, gerne. Auch wenn die am 1. Mai 1926 Geborene durch Altersdemenz nicht mehr alles zu- und einordnen kann, so ist sie sich in diesem Punkt sicher.

Als Zweitjüngste von 13 Geschwistern wuchs Helena Franziska in Thomasberg, gegenüber der Marienkapelle, heute "Strücher Dom" genannt, auf. Einige Brüder fielen im Krieg, es herrschte Not und Hunger. Schon früh musste Franziska, auch Ziska und Franzi genannt, den Ernst des Lebens kennenlernen. Aber eine Erinnerung prägt sie bis heute: "Ja, der liebe Gott hat gegenüber von uns gewohnt. Er war mein Nachbar." Für sie war das Kapellchen der Ort, wo der liebe Gott wohnt.

Die hellen Tage kamen nach dem Krieg. Franziska war, wie sie oft und gerne erzählt, die teuerste Maikönigin von Thomasberg. Verbrieft ist, dass sie 1949 die erste Maikönigin nach dem Krieg war. Bäckermeister Heinrich Josef Otto, Jupp genannt, musste tief in die Taschen greifen, um seine Franziska zu ersteigern. Schon im Juli 1949 wurde Hochzeit gefeiert. Die kirchliche Trauung fand in Oberpleis am 2. August 1949 statt. Zwischen 1950 bis 1958 erblickten vier Kinder das Licht der Welt, drei Töchter und ein Sohn.

Die nächsten Jahrzehnte waren geprägt durch die tägliche Arbeit in der Bäckerei und dem „Tante-Emma-Laden“ des Vaters von Josef, Johann Otto, in der Wiesenstraße 11. 1964 dann der Umzug in das große, neu errichtete Kaufhaus Otto in der Wiesenstraße 9a. Das Angebot umfasste neben Back- und Süßwaren auch Käse, Wurst, Frischfleisch, Obst, Gemüse, Textilien, Spielwaren, Kurzwaren und alle Dinge des täglichen Bedarfs.

1983 wurde das Geschäft verpachtet und der private Umzug an den Weisenstein 8 erfolgte. Ein Häuschen mit großem Garten, um den Ruhestand genießen zu dürfen. Aber Franziska wäre nicht Franziska, wenn sie nicht weiter aktiv geblieben wäre. Sie liebte es, zu singen, ging in die Tanzgruppe und lud oft und gerne Freunde, Nachbarn und Familie ein. Sie kümmerte sich um die Enkelkinder und machte sich sogar, zusammen mit Josef, auf den Weg nach Mailand, um auf einen ihrer Enkelsöhne aufzupassen. Mittlerweile gibt es 6 Enkelkinder und 6 Urenkelchen. Endlich war auch Zeit für Reisen. Am liebsten in die Berge, besonders die Alpen haben es ihr angetan.

2010 verstirbt ihr geliebter Mann Josef nach kurzer Krankheit im Alter von 92 Jahren. Mitte 2015 zieht Franziska in die Parkresidenz in Bad Honnef, wo sie sich sehr wohl fühlt und immer wieder betont, wie lieb und herzlich alle zu ihr sind. Sie genießt den Blick aus dem 8. Stock auf „ihr“ Siebengebirge. Sie deutet auf einen Punkt hinter dem Drachenfels und sagt: "Da komm ich her."